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Interview zur Erstellung einer Bachelor-Arbeit

zum Thema Medien-Management

geführt am 12.08.2017 durch Yannick Osterloh

Interviewer (I): „Die Bachelorarbeit steckt ihren Rahmen durch die Betrachtung der Arbeit eines klassischen Verlages ab. Daran hangeln wir uns im Weiteren entlang. Die erste Frage betrifft das Korrektorat und Lektorat. Wie stellt denn ein Independent Autor die inhaltliche Qualität seines Werkes im Hinblick auf die Rechtschreibung, die Grammatik, die Syntax und den Inhalt, Ihrer Meinung nach, am besten sicher?“

 

Dieter Aurass (DA): „Das ist das größte Problem der Independent Autoren. Das sehe ich genauso, denn die Kosten für ein professionelles Lektorat sind einfach so hoch, dass es sich für einen angehenden Autor kaum lohnt ein professionelles Lektorat machen zu lassen, weil die Ungewissheit, ob er dieses Geld je wieder hereinholt, einfach zu groß ist. Ich persönlich mache es so, dass ich mich auf zwei Programme verlasse. Ich habe zum einen eine professionelle Schreibsoftware, das ist Papyrus und zum anderen habe ich das Programm Word. Das, was ich schreibe , meine Manuskripte, schreibe ich erst einmal in Papyrus. Papyrus hat schon eine sehr gute Rechtschreib- und Grammatikkorrektur. Die ist wirklich ziemlich gut. Anschließend übertrage ich, wenn das Manuskript dann fertig ist, die Datei in Word und lasse Word noch einmal darüber gehen. Erstaunlicherweise fallen erst in der Kombination dann noch einmal Fehler auf. Und letztendlich, da ich, wie gesagt, kein professionelles Lektorat investieren möchte, lese ich die Manuskripte zwei- bis dreimal durch. Ich lektoriere sie selber zwei- bis dreimal, um dann wirklich alle groben Schnitzer, die kein Rechtschreib- oder Grammatikprogramm der Welt überhaupt bemerken kann, zu entdecken.“

 

I: „Neben dem Korrektorat und dem Lektorat, wie sieht das mit inhaltlichem Feedback, das für die Finalisierung des Werkes möglicherweise noch gebraucht wird, aus? Wo holen Sie das her? Aus dem familiären Umfeld oder dem Freundeskreis?“

 

DA: „Von Probelesern. Ich lasse immer mindestens fünf Leute das Manuskript lesen. Die geben mir dann Feedback und stellen Verständnisfragen über Dinge, die ihnen unlogisch erscheinen. Das ist dann eigentlich auch mehr inhaltliches Feedback als Korrektorat, aber es heißt dann trotzdem teilweise auch: ‚Mir ist da noch ein Tipp- oder Schreibfehler aufgefallen.‘ Das kommt auch schon einmal vor. Mal mehr, mal weniger.“

I: „Im Verlag übernimmt das Lektorat oder die Abteilung des Lektorats oft nicht nur die Aufgaben des Korrektorats und Lektorats, sondern auch die Projektorganisation. Wie sah das bei Ihnen aus? Wie haben Sie denn alle Aufgaben, die die Veröffentlichung eines E-Books mit sich bringt, identifizieren können?“

DA: „Beim Stichwort Projektmanagement sehe ich eigentlich hauptsächlich Fragen rund um, zum Beispiel, die Organisation der Covergestaltung. Da hole ich mir professionelle Hilfe. Das heißt ich habe eine Coverdesignerin, die für mich die Cover entwirft. Das ist preislich in einem Rahmen, den ein Selfpublisher tragen kann. Ansonsten würde ich unter dem Projektmanagement vor allem die Aufgaben des Marketings verstehen. Das heißt, dass ich das ganze Marketing selber betreibe. Ansonsten, Projektmanagement, da weiß ich nicht, was genau Sie darunter verstehen und einordnen.“

I: „Im Prinzip die Organisation um die Veröffentlichung herum im Ganzen. Da wären zum Beispiel die Recherche über verschiedene Anbietern von V ertriebsplattformen, die Recherche über die verschiedenen Distributoren, darüber hinaus alle Aktivitäten zur Entscheidungsfindung über die Covergestaltung, den Klappentext oder die Verwendung von Leseproben. Allgemein das zu erfassen.“

DA: „Ja, ich verstehe, was Sie meinen. Da muss ich sagen, dass ich ein wenig auf Negativerfahrungen, die ich gemacht habe, baue. Das Buch Der Transplantierte Tod ist ja nicht mein erster Selfpublishing-Roman. Ich habe unter Pseudonymen bereits zwei Bücher persönlich herausgebracht und habe da eher negative Erfahrungen gemacht. Das heißt Sie wissen erst dann, ob ein Anbieter, der für Selfpublisher vieles übernimmt, geeignet ist, wenn Sie die Erfahrung mit ihm gemacht haben. Da habe ich einige negative Erfahrungen gemacht, die mich haben sagen lassen: ‚Ich will nie wieder bei diesem oder jenem Anbieter für Selfpublisher etwas veröffentlichen.‘ Ich habe, dazu muss man sagen, dass ich keine Negativwerbung für Amazon machen will, mein Buch zuerst bei Amazon herausgebracht und das ist, trotz Marketingmaßnahmen von mir, ein gutes Jahr lang so vor sich hingedümpelt. Da habe ich dann nach einem Jahr gesagt: ‚Jetzt ist es gut. Jetzt versuche ich es, damit es dann auch im Buchhandel verfügbar ist, bei neobooks und epubli.‘ Ich habe es dann dort herausgebracht und es hat dort innerhalb von drei Monaten das Zehnfache dessen, was bei Amazon in einem Jahr an Verkaufszahlen erreicht worden ist, erreicht.“

I: „Hatten Sie sich da vorher dann für die exklusive Bindung an Amazon über das KDP Select Programm entschieden?“

DA: „Ja, genau. Das war der Fehler. Das würde ich persönlich nach dieser Erfahrung nicht mehr machen. Andere haben damit gute Erfahrungen gemacht. Das zeigt ja nun auch, dass das individuell verschieden ist.“

 

I: „Sie haben bereits angesprochen, dass Sie das Marketing für Ihre E-Books selber übernehmen. Welche Kommunikationskanäle bespielen Sie denn da?“

DA: „Ich hoffe alle. Ich habe da vier große Gruppen. Das sind Social Media, Druckwerbung, Mail und Internet und persönlich. Das heißt, dass ich bei Social Media bei Facebook, bei Xing und bei LinkedIn zu finden bin. Bei der Druckwerbung mache ich Plakate, Flyer und als Give-Aways Lesezeichen. Das mache ich auch alles selber. Der Punkt Mail und Internet umfasst Newsletter und eine Internetpräsenz. Persönlich mache ich Lesungen und Leserunden bei LovelyBooks sowie Interviews mit Bloggern, wenn diese dazu bereit sind. Das einzige, wo ich bisher noch etwas unterrepräsentiert bin, ist die Presse. Da bin ich erst noch dabei mir das aufzubauen. Die Pressekontakte sind da noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Aber das wird sicherlich auch noch werden.“

 

I: „Sie haben da ja eine ganze Menge Punkte angerissen. Für wie wichtig erachten Sie denn eine Präsenz in den sozialen Medien, um eine Fangemeinde entstehen zu lassen. Wie wichtig ist es, auch über Social-Reading-Plattformen wie etwa LovelyBooks mit den Lesern in Kontakt zu treten?“

DA: „Absolut wichtig. Das ist das Wichtigste überhaupt. Gerade für einen Selfpublisher, aber eben nicht nur für einen Selfpublisher. Ich bin zusätzlich auch noch Verlagsautor und auch da ist es inzwischen so, dass die Verlage sich auf zwei, drei Bestsellerautoren, für die sie das Marketing richtig stark betreiben, konzentrieren und alle anderen werden im Regen stehen gelassen. Das ist jetzt gar kein Vorwurf, denn wer nicht wirbt, der stirbt. Nur von daher ist Social Media selbst für die Verlagsbücher zwingend erforderlich. Wer, egal ob Selfpublisher oder Verlagsautor, als Autor nichts unternimmt, der ist selber schuld und der wird auch nicht viel erreichen. Die Selbstläufer, dass einer sagt: ‚Ich habe ein Buch geschrieben, da hätte ich nie erwartet, dass das ein Erfolg wird und jetzt bin ich Bestsellerautor‘, die sind so dünn gesät. Die Chance dafür liegt bei eins zu einer Million. Alle anderen müssen etwas tun, um überhaupt nur halbwegs Erfolg zu haben. Wer da nicht aktiv ist und da ist Social Media heute tatsächlich das Mittel der Wahl, der geht unter. Sie erreichen mittlerweile mit Social Media auch lebensältere Leute. Ich habe auf Facebook eine relativ große Gemeinde. Die, das merke ich an den Rückkopplungen und Interaktionen, wenn ich etwas poste, dann auch liken und ‚gefällt mir‘, sagen oder über einen Kommentar etwas zurückschreiben. Da sind dann schon mal bis zu tausend Interaktionen. Da sind dann auch viele ältere Leute dabei. Facebook ist nicht mehr nur das Medium der jungen Leute, sondern auch der Lebensälteren. Davon erreichen Sie schon eine ganze Menge. Und die, die ich da nicht erreiche, bei denen sehe ich zu, dass ich da ein bisschen etwas über Newsletter oder über E-Mails tue. Wer das nicht tut, der hat eigentlich wenig Chancen auf Erfolg.“

I: „Gibt es denn Werbemöglichkeiten von denen Sie Independent Autoren abraten würden?“

 

DA: „Das ist eine schwierige Frage. Also ich wüsste im Moment keine, die negativ sein könnte. Mir fiele da keine ein.“

I: „Also da heißt es dann, frei nach dem alten Sprichwort: ‚Hauptsache der Name ist richtig geschrieben‘, dass man alles mitnehmen kann?“

DA: „Ja. Auf jeden Fall alles nutzen. Wovon ich persönlich überhaupt nicht viel halte, aber das ist eine persönliche Meinung von mir, ist dieses Bücherverschenken. Das machen viele Selfpublisher, dass die ihr Buch dann eine Zeit lang kostenlos anbieten, damit überhaupt irgendjemand diese einmal liest. Davon halte ich persönlich nicht besonders viel, weil die Meinung der Leute immer noch überwiegend dahingeht, dass das, was nichts kostet, auch nichts taugt. Ob das so immer richtig ist, ist eine andere Frage. Aber das ist meine Meinung und von daher halte ich das, für mich persönlich, für nicht empfehlenswert.“

I: „Dem Ton der bisherigen Gespräche, die ich geführt habe, nach, stehen Sie mit dieser Meinung auf alle Fälle nicht alleine da. Das ist ein guter Punkt, um da noch einmal einzuhaken. Über den Preis wollte ich mit Ihnen nämlich auch noch einmal sprechen. Woran sollte sich ein Independent Autor bei der Preissetzung denn orientieren? An der Konkurrenz, an etablierten Preisschwellen oder an dem eigenen Leistungsaufwand?“

 

DA: „Den eigenen Leistungsaufwand, den darf man überhaupt nicht berechnen. Das ist etwas, wenn ich danach ginge, dann müssten alle Bücher wesentlich teurer sein. Ich persönlich mache es folgender Maßen. Da ich als Verlagsautor sehe, was ich an einem Verlagsbuch verdiene, orientiere ich mich als Selfpublisher daran, egal ob als E-Book oder Printbuch, sodass das Buch mir das einbringen soll, was ich auch vom Verlag bekommen hätte. Wenn ich mich daran orientiere, dann liege ich deutlich günstiger im Bereich von 2,99 Euro oder 3,99 Euro. Und teurer dürfte das E-Book eines Selfpublishers meiner Erfahrung nach auch nicht sein, sonst wird es kaum noch gekauft. Ich habe ein Buch als Selfpublisher unter einem Pseudonym bei einem Selfpublisher-Verlag herausgebracht und der Fehler war dort, dass der den Preis bestimmt hat. Die haben ein E-Book-Preis festgelegt, zu dem kein Mensch ein E-Book von einem Selfpublisher kauft. Kein Mensch kauft ein E-Book von einem Selfpublisher, das 9,00 Euro kostet. Da sind die Leute sehr wählerisch und sagen: ‚Das kann ja gar nicht sein, wie viel will der denn daran verdienen?‘ Das war dann auch der Grund, weshalb ich für mich gesagt habe, dass ich mit diesem Verlag nicht noch einmal zusammenarbeiten werde.“

I: „Ich habe hier noch zwei Fragen, die ich unbedingt würde stellen wollen, auf meiner Liste. Sollten sich Independent Autoren für Ihre Bücher eine ISBN anschaffen?“

DA: „Also, so wie ich es kenne, war bei den bisherigen Verlagen, bei denen ich meine Bücher herausgebracht habe, die ISBN immer automatisch dabei. Ich bin da insofern überfragt, dass ich nicht weiß, ob Sie denn ein E-Book ohne ISBN bei ebook.de oder Thalia bestellen können. Das weiß ich nicht. Wenn die ISBN dafür erforderlich ist, dann sollten Sie auf alle Fälle eine ISBN dafür beantragen. Denn ich merke jetzt auf diesem Markt, dass obwohl Amazon noch immer ganz klar führend ist, wenn ich mir die Verkaufszahlen meiner E-Books bei neobooks, dort sehe ich die Verkaufszahlen auf die einzelnen Bezugsquellen aufgedröselt, ansehe, dass dort eben auch ebook.de, Thalia und andere auftauchen. Deshalb wäre dann, wenn eine ISBN, was ich nicht weiß, erforderlich wäre, jeder Independent Autor gut beraten, wenn er auch diese Kanäle nutzen möchte, sich dafür eine ISBN zu holen.“

I: „Es folgt meine letzte Frage. Sollte man einen Kopierschutz oder ein Digital Rights Management für seine E-Books verwenden? Sollte man darüber nachdenken oder sollte man darauf verzichten? Sollte man auf ein weiches DRM, das heißt Wasserzeichen, zurückgreifen oder sollte man auf einen harten Kopierschutz zurückgreifen?“

 

DA: „Also ich weiß aus negativer Erfahrung heraus, dass auch ein harter Kopierschutz im Rahmen eines Digital Rights Managements nichts nützt. Überhaupt nichts. Das ist Makulatur. Sie machen es den Leuten damit vielleicht ein bisschen schwieriger ein gekauftes E-Book an Bekannte oder Freunde weiterzugeben. Ich habe mich darum bisher wirklich noch nicht gekümmert, weil ich eben weiß, da ich diese Quellen selber einmal studiert und überprüft habe, dass auch die E-Books meiner Verlagsbücher in den üblichen Quellen, wo Leute geknackte E-Books und Hörbücher einstellen, landen. Von daher nützt das nicht wirklich viel. Deshalb ist die Frage, ob das wirklich einen Sinn macht darauf besonders großen Wert zu legen. Ich muss dazu auch sagen, dass als das Erste meiner Verlagsbücher dann auch auf diesen Quellen zu finden war, ich mich irgendwo geadelt gefühlt habe, weil ich gedacht habe: ‚Ach, na ja. Die machen sich tatsächlich sogar die Mühe dieses Buch zu knacken, um es dann auf dem schwarzen Markt zu vertreiben.‘ Tja, so ist es halt. Sie kriegen heute jeden Film, jedes E-Book, jedes Hörbuch in kurzer Zeit in diesen Netzen zur Verfügung gestellt. Von daher macht dieses Digital Rights Management in meinen Augen nicht viel Sinn.“

I: „Dann wäre ich am Ende meines Fragebogens angekommen. Wir sind jetzt tatsächlich auch schon über die veranschlagten fünfzehn Minuten hinausgeschossen.“

DA: „Das kam mir gar nicht so vor.“

I: „Ja, wie gesagt, ich wäre am Ende mit meinen Fragen. Ich würde Ihnen jetzt noch Raum dafür geben wollen, etwas ansprechen zu können, wenn Sie sich im Vorfeld etwas überlegt hatten, von dem Sie sagen: ‚Das ist etwas, das ich zu diesem Themenfeld unbedingt sagen muss.‘ Wenn das jetzt noch nicht aufgetaucht sein sollte, dann ist das jetzt Ihre Chance.“

DA: „Ja, ich werde immer wieder gefragt: ‚Verlagsautor oder Selfpublisher‘. Ich bin ja nun beides. Und diese Frage taucht dann in dem Kreis der Leute, die auf Selfpublishing schwören, auf. Ich kenne Selfpublisher, die davon gut, sehr gut leben können. Und ich kenne Selfpublisher, die sich damit, dass sie sagen: ‚Ich finde keinen Verlag, dann bringe ich es halt selber heraus‘, quälen. Mein Tipp ist dann eigentlich für alle immer, dass wenn man für ein Buch tatsächlich keinen Verlag gefunden hat, man es ruhig als Selfpublisher probieren sollte. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass es, alles selber zu übernehmen, ein Zeitaufwand ist, dass das gesamte Marketing nicht zu unterschätzen ist. Das gesamte Marketing, das Eigenlektorat, die Recherche und alles, was dazukommt, nimmt mehr Platz als das Schreiben selbst ein. Und da die meisten Selfpublisher keine Rentner, so wie ich, sind, sondern noch im Berufsleben stehen, sind die damit oftmals überfordert. Es wundert mich dann nicht, dass die ein bis zwei Jahre brauchen, bis sie eventuell das nächste Buch fertig haben und herausbringen können, weil es ein riesengroßer Aufwand ist. Da nimmt einem ein Verlag schon einiges ab. Und von daher ist Selfpublishing schon wirklich eine feine Sache, aber ich würde mich nie nur auf Selfpublishing beschränken.“

 

I: „Das ist doch ein gutes Schlusswort. Ich möchte mich bei Ihnen für die Zeit, die Sie sich genommen haben, bedanken.“

DA: „Danke schön, gern geschehen.“